Olaf Kühne
Transkript des Interviews mit Olaf
Ich bin Olaf Kühne, geboren am 16. Oktober 1966 in Markranstädt bei Leipzig. Ich arbeite drei Tage an der Uni und zwei Tage in der Werkstatt für Menschen mit Beeinträchtigungen.
In der Werkstatt arbeite ich im Papierbereich. Das ist ein Allround-Talent, sag ich mal. Entweder verpacke ich Profilschienen mit. Oder ich packe Starterboxen. An der Uni bin ich Inklusionsreferent, seit anderthalb Jahren.
In meinem Alltag erlebe ich Barrieren beispielsweise, wenn ich mit dem Bus fahre, der Linie 60 Richtung Lindenau. Die Busfahrer fahren oft nicht ganz an die Bordsteinkante ran, man muss einen Riesenschritt machen, um in den Bus reinzukommen. Da kann es passieren, dass man zum Bus reinfällt. Ich weiß nicht, inwieweit man diese Barrieren abbauen kann. Wenn der Bus kommt, muss man manchmal erst auf die Straße runter und dann in den Bus steigen. Das ist nicht gut, vor allen Dingen, weil ich relativ klein bin. Leute mit dem Rollator kommen gar nicht rein. Das ist nicht barrierearm, sondern für Menschen mit Beeinträchtigung sind das Barrieren.
Ich habe Diskriminierungserfahrungen gemacht während meiner Schulzeit. Zum einen war ich zu klein. Zum anderen mussten ja auch alle Unterrichtseinheiten gemacht werden. Ich hatte damals in Mathe, Physik und Chemie immer volle Punktzahl. Sonst Dreien und Vieren. Dadurch bin ich sitzengeblieben und habe bloß einen Abschluss der sechsten Klasse. Meine Lehrer wollten mich auf eine Sonderschule schicken, aber meine Mutti war Lehrerin und hat sich ein bisschen geschämt. Meine Eltern wollten aus mir einen ganz normalen Jungen machen.
Wenn man von Anfang an mit einer Beeinträchtigung geboren wurde – bei mir war es eben der frühkindliche Hirnschaden – ist es natürlich bissl schwierig. Meine Eltern haben immer gesagt, ich kann das nicht. Quasi nach der Devise, der ist zu dumm. Seit gut zwölf Jahren spiele ich Theater. Wir sind eine inklusive Theatergruppe, wo behinderte und nichtbehinderte Leute zusammen Theater spielen. Unser allererstes Stück hieß "Verlorene Jungs", eine Peter-Pan-Inszenierung. Ich kam als Erster auf die Bühne, obwohl ich noch nicht so richtig Erfahrung hatte.
Ich schöpfe Kraft daraus, dass ich im Theater spiele und mich mit den Leuten unterhalte. Das gibt mir für die restlichen Tage Kraft, weil ich der Meinung bin, jeder Mensch macht Fehler. Jeder Mensch ist einzigartig. Und jeder Mensch kann vieles. Was er nicht kann, muss er lernen. Und so ist es eben toll, dass ich jetzt im Alter immer noch dazu lerne.
Den Menschen würde ich mitgeben, dass sie sich mal das eine oder andere Theaterstück von uns angucken und mit uns ins Gespräch kommen. Wir sind der Klub Melo am Theater der Jungen Welt.