Bea

Interview mit Bea

Transkript des Interviews mit Bea

Ich bin Bea und ich arbeite an der Uni seit 2019 als Bildungs- und Inklusionsreferentin. Wir bereiten Seminare vor, forschen, fahren zu Tagungen und stellen unsere Themen vor. Meine Themen sind Selbstbestimmung, Vielfalt und Leichte Sprache.

Ich mache bei dem Projekt mit, weil es mir Spaß macht und ich gerne meine Themen weiter vermitteln möchte. 

Mein Alltag ist so: Ich stehe früh auf, gehe zur Arbeit und nebenbei mache ich ehrenamtliche Tätigkeiten, zum Beispiel [bei dem Bildungsprojekt] Raketen-Wissenschaft [zum Thema] Leichte Sprache. 

In meinem Alltag finde ich schon vieles schwer. Menschen mit Behinderung werden oft in Schubladen gedacht, ihnen wird nicht viel zugetraut. Das finde ich traurig. Ich habe das schon oft erlebt.

Ich war letztens bei einer Augenklinik und habe gemerkt, dass sie nicht mit mir gesprochen haben, nur mit meiner Begleiterin. Die Begleiterin hat dann gesagt: „Sie sitzt hier, sie ist die Patientin, mit ihr müssen Sie reden.“ So im Alltag ist das immer schwer. Viele denken, wenn man eine Begleitung hat: „Ach, die können nichts.“ Das ist nicht so.

Wenn sie mal in einfacher Sprache reden würden, würden das alle gut verstehen. Auch in den Ämtern. Die Briefe sind so kompliziert. Wären die einfacher geschrieben, bräuchten wir auch keine Unterstützung.

Aber zu versuchen, auf Augenhöhe mit dir zu sprechen, dafür nimmt sich keiner Zeit. Wenn du sagst: „Kannst du das bitte einfacher erklären?“ Viele rasseln lieber alles herunter.

Das Schubladendenken mal ablegen, könnten die Menschen. [Ich würde mir wünschen,] dass uns mehr zugetraut wird. 

Ich habe mein Umfeld, auch welche, die keine Behinderung haben. Die nehmen mich wie ich bin. Die gucken nicht auf die Behinderung und sagen, du kannst das und das nicht. Dafür bin ich dankbar.

Auch meine Familie, die sagen: Ich bin stolz auf dich, dass du das geschafft hast an der Uni. Manche Menschen hätten mir das nicht zugetraut. Ich bin stolz, dass ich so weit gekommen bin, dass ich jetzt ein anderer Mensch bin.

Was ich den Menschen mitgeben möchte, ist, dass sie sich viel mehr trauen und offen ihre Meinung sagen. Ich habe an der Uni gelernt, meine Meinung zu sagen. Vorher konnte ich das nicht. Frauen mit Behinderung wird meistens nicht zugehört, sie erleben viele schlimme Dinge und das finde ich traurig. Ihnen müsste mehr zugehört werden. Das ist mein wichtiger Punkt.

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Anett Stötzner

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Benny Münch