Maria Koschewski
Transkript des Interviews mit Maria
Mein Name ist Maria. Ich arbeite in einer Behindertenwerkstatt der Diakonie am Thonberg und ehrenamtlich im Nachbarschaftszentrum in Lindenau. Ich arbeite in der Drucknachverarbeitung, hauptsächlich mit Papier. Was nicht mit Maschinen bearbeitet werden kann, machen wir mit unseren Händen. Im Nachbarschaftszentrum betreue ich Leute, spiele mit ihnen oder koche Kaffee.
Mich motiviert, an dem Projekt teilzunehmen, dass ich endlich den Menschen zeigen kann, dass auch wir Menschen mit Beeinträchtigung was können.
Ich bin auf Hilfe angewiesen, zu mir kommt der Pflegedienst. Montag bis Freitag von 8 bis 14 Uhr gehe ich in die Werkstatt der Diakonie. Nach meiner Arbeit habe ich viele Therapien, Ergo- und Physiotherapie. Und Dienstag und Mittwoch ist Chortag.
In meinem Alltag gibt es verschiedene Barrieren. Zum Beispiel, als ich mich zum Vorlesen im Altenpflegeheim beworben habe. Da hat der Heimleiter mir das nicht zugetraut. Er hat gesagt, Sie brauchen ja selber Hilfe. Das war richtig, aber er hat sich danach nicht einmal gemeldet bei mir. Das fand ich eigentlich nicht in Ordnung.
Und die eine Situation mit den Jugendlichen, die mich ausgelacht haben wegen meiner Kopfverformung. Aber dann kam so ein Liebes, eine etwas erwachsenere Jugendliche, die gesagt hat: Hört damit bitte auf, das ist nicht schön.
Ich würde mir vor allem wünschen, dass wir in der Gesellschaft mehr gesehen werden. Damit jeder eine Chance hat. Auch wenn er im Heim lebt, wie mein Arbeitskollege, der immer noch keinen E-Rollstuhl hat, trotz seiner Muskelerkrankung. Das Schlimme ist eigentlich, dass er zum Beispiel nicht hier ins NBZ kann, weil er keinen hat, der ihn begleitet. Ich würde es ja machen, aber ich glaube, das würden die vom Heim nicht erlauben.
Mir gibt es Kraft im Alltag, wenn ich mit Menschen zusammen bin, die mich richtig respektieren. Zum Beispiel sagen, du schaffst das und nachfragen, wie es mir so geht und offen mit mir reden.
Ich möchte Menschen mitgeben, dass eine Behinderung jeden treffen kann. Durch Unfall oder Krankheit. Wir sollten achtsamer und respektvoller miteinander umgehen und keine Vorurteile haben. [Ich würde mir wünschen,] dass man die Person sieht, statt zu sehen: Ach, da kommt jemand mit Behinderung – und der Person dann nichts zutraut.