Steven Wallner
Transkript des Interviews mit Steven
Ich heiße Steven Wallner. Ich arbeite bei “Leben mit Handicaps” in der Fachstelle unterstützte Elternschaft. Meine Aufgaben sind Peer-Beratung [Menschen mit ähnlichen Lebenserfahrungen unterstützen Betroffene in schwierigen Situationen, bei Behinderungen oder psychischen Krisen]. Das heißt, wenn ein Mensch mit Lernschwierigkeit kommt und etwas nicht versteht, gebe ich es mit meinen eigenen Worten wieder, damit er es versteht. Es ist schon vorgekommen, dass sich manche Menschen so eher öffnen.
Dann prüfe ich Texte in Leichter Sprache und mache Workshops und Seminare zu Leichter Sprache mit meiner Kollegin zusammen.
Ich habe von meiner Arbeitskollegin [von dem Projekt] erfahren und fand es interessant, dass Menschen mit Behinderung eingeladen werden und selbst was erzählen können, und es später eine Ausstellung gibt mit Foto, Text und zum Hören. Das finde ich eine gute Idee.
Zu meinem Alltag: Meine Dialyse-Tage sind immer Montag, Mittwoch und Freitag, da kann ich leider nicht raus. Aber die anderen freien Tage verbringe ich meistens in der Stadt, genieße die Sonne und die frische Luft mit meiner Freundin oder mit Freunden und bin selten zu Hause. Ich bin kein Stubenhocker. Viele fragen, warum bist du jeden Tag draußen? Da denke ich mir, was will ich denn zu Hause, außer wenn ich krank bin? Den ganzen Tag Fernsehen gucken möchte ich nicht, will ja was erleben und finde es wichtig, solange man das noch kann. Meine Betreuerin hat auch gesagt, immer raus, solange man kann.
Im Alltag begegnet mir die Straßenbahn als Barriere zum Beispiel. Weil sie zu erhöht ist, obwohl es eine Leiste gibt, die abgesenkt ist, damit sie barrierefrei ist. Aber ist sie nicht. Man muss Schwung holen. Zum Beispiel meine Freundin hat gar keine Kraft, die schafft das nicht.
Auch nicht barrierefrei ist der Augustusplatz, weil er nicht durchgehend ebenerdig ist. Wenn eine Straßenbahn vorne hält und ich bin mit der 15 hinten – ich steige ja immer ein, wo ein Rollstuhlzeichen ist – und wenn ich da raus will, habe ich Pech gehabt. Das stört mich.
Es gibt wenige Angebote für Menschen mit Behinderung. Zum Beispiel mal eine richtige Disco, wo Platz ist. Oder Gaststätten.
Also mir ist eine Diskriminierung im Kopf geblieben. Früher gab es in der Straßenbahn Rampen und da brauchte ich Hilfe, aber der Fahrer hat gesagt: Nee, Sie kommen doch so raus. Das war eine Diskriminierung.
Mir gibt es Kraft im Alltag, dass ich es geschafft habe, auf den ersten Arbeitsmarkt zu kommen. Leider nur durch einen Außenarbeitsplatz. [Außenarbeitsplätze ermöglichen Menschen mit Behinderung, bei einer Werkstatt angestellt zu sein, während sie in einem Unternehmen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt arbeiten]. Ich wünsche mir, dass auch andere Menschen mit Behinderung [das schaffen], dass es mehr Außenarbeitsplätze gibt und dass die Firmen Menschen mit Behinderung fest einstellen können.
Ich würde mir wünschen, dass mehr Menschen zusammenhalten und etwas zusammen unternehmen. Wie so ein Club, wo sich Menschen mit Behinderungen treffen, wo viele Leute zusammenkommen.