Tomy Brecher

Interview mit Tomy

Transkript des Interviews mit Tomy

Ich heiße Tommy und bin ein Mensch mit Behinderung beziehungsweise bin eine Person, die an der Uni arbeitet und sehr viel Diskriminierung erfahren hat. 

Mich motiviert an dem Projekt, dass ich hier die Möglichkeit habe, dem Projekt eine Stimme zu geben, beziehungsweise Personen, die sonst nicht gehört werden.

Mein Alltag sieht eigentlich normal aus. Ich stehe früh auf, gehe zur Arbeit und komme nach der Arbeit entweder nach Hause oder gehe zum Beispiel einkaufen. 

Ich erlebe einige Barrieren und Schwierigkeiten im Leben. Zum Beispiel, wenn ich einkaufen gehe und gefragt werde, ob ich Hilfe brauche beim Einpacken, aber meine Antwort nicht abgewartet wird, sondern dies gleich gemacht wird. Das finde ich schwierig, weil mir dadurch die Entscheidung genommen wird.

Auch gesellschaftlich werde ich diskriminiert. Ich gehe acht Stunden arbeiten, erwirtschafte eine Arbeitsleistung und gelte rein rechtlich als Rehabilitand und somit gleichgestellt wie ein Sozialhilfeempfänger.

Einige Menschen mit Behinderung haben nicht die Möglichkeit, auf den allgemeinen ersten Arbeitsmarkt zu kommen. Sie gehen in eine Werkstatt für behinderte Menschen. Dort gelten wir als "arbeitnehmerähnliche Personen". Wir haben keinen richtigen Arbeitsvertrag und keinen regulären Anspruch auf Lohn oder reguläre Rente. Wir haben keinen Anspruch auf Gewerkschaften und das Geld, das wir von der Werkstatt bekommen, wird eher als Taschengeld angesehen, beziehungsweise eine kleine Aufwandsentschädigung. Und man muss 20 Jahre in der Werkstatt arbeiten, um einen rechtlichen Anspruch auf Erwerbsminderungsrente zu bekommen.

Es ist schwierig, dass die Arbeit in der Werkstatt nicht wertgeschätzt wird. Man produziert sehr viel für die Gesellschaft, aber eine Wertschätzung bekommt man nicht. Man bleibt immer, ja, was Besonderes. Im positiven wie im negativen Sinne.

Mir gibt im Alltag sehr viel Kraft, dass ich arbeiten gehen kann, um mich zu beschäftigen. Um einen Sinn zu haben, gebraucht zu werden und etwas für die Gesellschaft beizutragen.

Was ich anderen Menschen gerne mitgeben würde, ist, dass sie sich trauen, mit Menschen in Kontakt zu treten und Gespräche zu führen.

Wir sind nicht dafür da, um unsere Behinderung zu erklären. Wir können auch viel anderes erzählen, über unsere Hobbys, was wir gerne in der Freizeit machen. Wo das Merkmal der Behinderung eben nicht im Vordergrund steht, sondern mehr im Hintergrund.

Für die Gesellschaft wünsche ich mir, dass diese Einteilung abgeschwächt wird. Nicht denken, das sind behinderte Menschen, die können nichts. Und dass wir uns trauen zu sagen: Hey, wir sind hier, nehmt uns doch mit. Wir sind eine Bereicherung, genauso wie ihr eine Bereicherung für uns seid. Also es ist eine gegenseitige Wechselwirkung. Damit Menschen mit Behinderung aus ihrer Bubble kommen und dadurch eine neue Bubble entsteht und dass auch Menschen ohne Behinderung aus der Bubble kommen.

Auch Menschen mit Behinderung können viel zur Gesellschaft beitragen. Und was für Menschen mit Behinderung gut sein kann, kann auch für andere Personengruppen hilfreich sein.

Man muss aber sagen, es kostet Ressourcen und Zeit, einfach wird es nicht. Man muss seine alten Vorstellungen ein Stück weit ablegen und ergebnisoffen auf Leute zu gehen.

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Steven Wellner

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Uwe Kürschner